Im Gespräch mit Gerhard Wittl wird schnell klar: Räume in der Zahnarztpraxis sind mehr als nur Kulisse. Sie sind aktive Kommunikationsinstrumente, die Vertrauen aufbauen, Kompetenz vermitteln und die Beziehung zum Patienten stärken oder im schlimmsten Fall sabotieren.
Gerhard Wittl, Inhaber der roomcode GmbH, und Experte für Raumkonzepte im Gesundheitswesen, bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt:
„Wenn ich durch eine Praxis gehe, dann erzählt mir der Raum, was dort passiert.“
Diese Perspektive zieht sich durch das ganze Gespräch und zeigt, wie sehr Einrichtung und Gestaltung mit erfolgreicher Patientenkommunikation und Praxisführung verknüpft sind.
Der erste Eindruck: Kompetenz oder Chaos?
Für Gerhard Wittl entscheidet sich der Eindruck einer Praxis in den ersten zehn Sekunden. Dabei geht es nicht um besonders teure Möbel oder Designerstücke, sondern um Klarheit, Ordnung und gezielte Gestaltung. Ein Raum, der zu laut, zu voll oder unruhig wirkt, verunsichert Patient:innen. Ein stimmiges Farbkonzept, klare Linien und reduzierte Gestaltung hingegen wirken beruhigend und professionell.
„Ein Raum darf auch mal leer wirken – das bringt Ruhe rein“, erklärt Wittl. Denn Überfrachtung signalisiere dem Gehirn Stress. Besonders wichtig: Der Empfangsbereich. Wer hier Vertrauen aufbauen will, muss Atmosphäre schaffen. Materialien, Lichtführung und Abläufe spielen eine entscheidende Rolle.
Praxisdesign ist Teamarbeit
Gerhard Wittl spricht auch über die enge Zusammenarbeit mit Praxisinhaber:innen und darüber, wie viele unterschätzen, wie sehr Raumgestaltung auch ein Führungsinstrument sein kann. Wer Räume gemeinsam mit dem Team denkt, erreicht mehr Akzeptanz, Identifikation und letztlich ein besseres Arbeitsklima.
Dabei geht es nicht nur um die Optik, sondern um Prozesse:
„Ich mache keine schönen Räume. Ich mache funktionale Räume, die am Ende schön aussehen.“
Funktionalität, Ergonomie und Arbeitswege stehen immer an erster Stelle.
Patientenreise bewusst gestalten
Ein besonders spannender Aspekt ist Wittls Blick auf die „Patient Journey“. Jeder Raum, jeder Weg durch die Praxis erzählt etwas. Wer gezielt gestaltet, schafft Orientierung, Sicherheit und Vertrauen. Wittl nennt das „Storytelling im Raum“. Dabei setzt er auf durchdachte Lichtführung, klare Beschilderung und Zonen, die Rückzug oder Offenheit ermöglichen – je nachdem, was in dem Moment gebraucht wird.
„Die meisten Menschen wissen in einer Praxis nicht, wohin sie gehen sollen. Wenn ein Raum das automatisch löst, entsteht sofort Entspannung“,
so Wittl.
Kein Copy-Paste-Design
Ein weiteres zentrales Thema ist Individualität. Für Wittl gibt es keine Standardlösung. Jeder Raum, jede Praxis, jedes Team ist anders. Wichtig sei es, herauszufinden, was zur Inhaberin oder dem Inhaber passt und was nicht. Design sei nie Selbstzweck, sondern Ausdruck von Haltung, Stil und Kommunikationsstil.
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