Fokus, Struktur und die nächste Entwicklungsphase
Im zweiten Teil des Gesprächs zwischen Christian Henrici und Dr. Luca Schlotmann wird schnell deutlich, dass es hier nicht mehr primär um Wachstum im klassischen Sinne geht. Die Gruppe ist längst auf eine Größe angewachsen, die viele Kolleginnen und Kollegen in Deutschland nicht einmal für realistisch halten. Über 80 Behandlungszimmer, mehrere Standorte, mehrere hundert Mitarbeitende. Doch das Gespräch dreht sich weniger um Zahlen, sondern um Reife.
Nach Jahren der Expansion befindet sich das Unternehmen in einer neuen Phase. Dr. Schlotmann beschreibt diese Entwicklung nicht als Bremsen, sondern als bewusste Fokussierung. Wachstum um jeden Preis ist nicht mehr das Ziel. Stattdessen geht es um strukturelle Tiefe, um Prozessqualität und um die Frage, wie sich bestehende Standorte systematisch weiterentwickeln lassen. Die vorhandenen Praxen verfügen laut seiner Einschätzung noch über enormes organisches Potenzial. In den kommenden fünf Jahren sollen sie deutlich wachsen, nicht durch neue Flächen, sondern durch bessere Auslastung, klarere Prozesse und strategische Priorisierung.
Ein Begriff, der im Gespräch mehrfach fällt, ist „radikale Priorisierung“. Gemeint ist damit nicht operative Hektik, sondern Disziplin. Wenn ein strategisches Projekt läuft, bekommt es volle Aufmerksamkeit. Keine parallelen Baustellen, keine Ablenkung durch Nebenthemen. Dieses konsequente Vorgehen ist für Dr. Schlotmann eine der wichtigsten unternehmerischen Entwicklungen der letzten Jahre. Es geht nicht mehr darum, möglichst viele Initiativen gleichzeitig anzustoßen, sondern die entscheidenden Themen wirklich zu Ende zu bringen.
Spezialisierung als strategischer Kern
Parallel dazu wird die Spezialisierung weiter geschärft. Besonders im Bereich Full-Arch-Dentistry, also der Sofortversorgung mit festen Zähnen, hat die Gruppe eine enorme Expertise aufgebaut. Mehrere tausend Implantate pro Jahr, davon ein großer Anteil in Sofortversorgung, zeigen die operative Erfahrungstiefe. Doch im Gespräch wird deutlich: Diese Spezialisierung ist kein Marketinginstrument, sondern strategischer Kern. Prozesse, Laborkapazitäten und chirurgische Abläufe werden darauf ausgerichtet. Spezialisierung schafft Wiederholbarkeit, und Wiederholbarkeit schafft unternehmerische Stabilität.
Aus dieser Logik entsteht nun ein neues Standortmodell. Erstmals wird ein Zentrum aufgebaut, das sich ausschließlich auf Full-Arch-Behandlungen konzentriert. Keine Mischstruktur, keine breite Allgemeinzahnheilkunde, sondern klare Fokussierung auf ein Leistungsversprechen. Die Praxisflächen sind entsprechend konzipiert, inklusive eigenem Labor und strukturierten Nachsorgeprozessen. Damit wird ein Setting geschaffen, das Effizienz und Spezialisierung miteinander verbindet.
Bemerkenswert ist dabei das gewählte Beteiligungsmodell. Es handelt sich nicht um ein Franchise-System, sondern um echte unternehmerische Partnerschaften. Mitgesellschafterinnen und Mitgesellschafter übernehmen Verantwortung und partizipieren gleichzeitig am Risiko und am Erfolg. Das Wachstum dieser Struktur hängt nicht von einem Expansionsplan ab, sondern von der Frage, ob die richtigen Persönlichkeiten gefunden werden. Geschwindigkeit ist hier zweitrangig, Qualität entscheidend.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist das Thema Mentorship. Künftige Partnerinnen und Partner durchlaufen ein strukturiertes Programm, das fachliche Exzellenz ebenso umfasst wie unternehmerisches Denken und Führungsentwicklung. Es geht darum, nicht nur gute Operateurinnen und Operateure auszubilden, sondern unternehmerische Persönlichkeiten zu formen, die Verantwortung für Teams und Standorte übernehmen können
Von Expansion zu Systematisierung
Trotz der Unternehmensgröße arbeitet Dr. Luca Schlotmann weiterhin mehrere Tage pro Woche klinisch. Diese Entscheidung ist im Gespräch kein Nebenaspekt, sondern Ausdruck seiner Haltung. Operative Nähe bedeutet für ihn nicht Kontrolle, sondern Glaubwürdigkeit. Innovation entsteht aus der Behandlung heraus, nicht aus dem Büro. Gleichzeitig wurden in den letzten Jahren Führungsstrukturen ausgebaut und operative Verantwortung stärker verteilt. Shared-Service-Einheiten und erweiterte Geschäftsführung schaffen Entlastung und ermöglichen strategischen Fokus.
Insgesamt zeichnet das Gespräch das Bild einer Organisation, die nicht mehr in der Aufbauphase steckt, sondern in einer Phase der Systematisierung. Die erste Etappe war schnelles Wachstum. Die aktuelle Phase ist strukturelle Schärfung. Die nächste Phase wird Spezialisierung mit unternehmerischer Tiefe sein.
Dabei wird deutlich, dass es weniger um Größe als um Entwicklung geht. Unternehmertum bedeutet hier nicht Exit-Denken oder kurzfristige Optimierung, sondern langfristiges Gestalten. Wachstum ist kein Selbstzweck, sondern Folge klarer Entscheidungen, konsequenter Umsetzung und der Bereitschaft, sich selbst als Führungspersönlichkeit kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Teil 2 des Gesprächs zeigt damit eine neue Reifeebene. Nicht lauter, nicht schneller, sondern klarer. Und genau darin liegt die eigentliche Dynamik.
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