In dieser Episode des Praxisflüsterer Podcasts spricht Host Christian Henrici mit Prof. Dr. Falk Schwendicke, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie an der LMU München und einer der bedeutendsten KI-Experten der Dentalwelt. Im Zentrum: Der Stand der Dinge in Sachen Künstlicher Intelligenz in der Zahnmedizin,  zwischen wissenschaftlicher Entwicklung, praktischer Umsetzung und politischer Realität.

 

Was kann KI in der Zahnmedizin und was (noch) nicht?

Zunächst räumt Schwendicke mit Missverständnissen auf: Künstliche Intelligenz ist kein Zauberstab. „Wir müssen weg von der Idee, dass KI alles besser weiß“, sagt er. Vielmehr geht es darum, Prozesse zu ergänzen, Diagnosen zu stützen und Behandlungssicherheit zu erhöhen. Dafür braucht es große Datenmengen, saubere Algorithmen und klare ethische und regulatorische Leitlinien.

In vielen Bereichen funktioniert KI heute bereits gut, vor allem bei radiologischen Diagnosen, z. B. in der Kariesdetektion oder bei der Auswertung von Röntgenbildern. Doch der Einsatz in der Breite bleibt limitiert, weniger wegen technischer Probleme, sondern wegen regulatorischer und struktureller Hürden.

 

Warum es in Deutschland (noch) nicht richtig vorangeht

Ein zentraler Punkt im Gespräch: Während weltweit viel passiert, bleibt Deutschland oft im „Pilotmodus“. Es fehlt nicht an Forschung oder Technologien, sondern an Mut zur Umsetzung. Prof. Dr. Schwendicke nennt es „Verharrung in der Potenzialanalyse“ und mahnt:

„Wir müssen ins Tun kommen.“

Ein Problem sieht er in der oft geringen digitalen Reife der Praxen. Viele Prozesse laufen noch analog, Infrastruktur fehlt, Schnittstellen sind nicht definiert. KI braucht aber Daten und die liegen häufig nicht nutzbar vor.

Zudem herrscht Unsicherheit: Wann ist eine KI medizinisch einsetzbar? Wer haftet bei Fehlentscheidungen? Wie sieht eine rechtssichere Implementierung aus? Die Folge: Viele warten ab und blockieren damit Fortschritt.

 

Die Rolle der Forschung: Brücke statt Elfenbeinturm

Was Prof. Dr. Falk Schwendicke deutlich macht: Die Wissenschaft ist längst nicht mehr abgekoppelt vom Versorgungsalltag. Projekte wie DentalXrai zeigen, wie anwendungsorientiert geforscht wird, in enger Zusammenarbeit mit Entwickler:innen, Kliniker:innen und zunehmend auch Industriepartnern.

 

Dabei geht es nicht darum, Menschen zu ersetzen. Vielmehr sollen die Zahnmediziner:innen der Zukunft digital unterstützt werden, bei der Befundung, Verlaufskontrolle oder Therapiewahl. Entscheidend ist dabei laut Prof. Dr. Schwendicke:

„Die KI ist nur so gut wie der Mensch, der sie nutzt.“

 

Politik, Ethik und Verantwortung

Ein zentrales Thema: Wie schaffen wir Rahmenbedingungen, in denen KI sicher und sinnvoll eingesetzt werden kann?

Prof. Dr. Schwendicke fordert hier einen klareren politischen Kurs. Es brauche regulatorische Klarheit, standardisierte Datenräume und Fördermodelle, die auch Praxen den Einstieg ermöglichen. KI dürfe nicht nur ein Thema für große Kliniken bleiben, sonst droht eine Zweiklassen-Digitalisierung.

Auch die ethische Dimension ist ihm wichtig: KI darf nicht diskriminieren, muss nachvollziehbar und überprüfbar sein. Transparenz, Verantwortung und Datenschutz stehen dabei an oberster Stelle.

 

Fazit: Der Mensch bleibt entscheidend

Die zentrale Botschaft dieser Episode: KI ist ein Werkzeug, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie kann helfen, Entscheidungen zu stützen, Diagnosen zu verbessern und Versorgungsqualität zu steigern. Aber sie braucht Menschen, die sie klug einsetzen und Strukturen, die ihren Einsatz ermöglichen.

Prof. Dr. Falk Schwendicke plädiert für einen realistischen, lösungsorientierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz:

„Wir dürfen nicht auf die perfekte Lösung warten, sondern müssen anfangen, in der Praxis echte Erfahrungen zu sammeln.“

 


 

Hören Sie die vollständige Episode im Praxisflüsterer-Podcast, verfügbar auf allen gängigen Podcast-Plattformen.

 

 


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