Vor vier Jahren war Crocodile noch ein junges Start-up mit einer klaren Vision: Fortbildung in der Zahnmedizin digitaler, flexibler und praxisnäher zu gestalten. In der aktuellen Episode des Praxisflüsterer Podcasts spricht Christian Henrici mit Gründer und Geschäftsführer Jonas Nachtigall darüber, was seitdem passiert ist, welche Learnings das Unternehmen geprägt haben und warum es heute längst nicht mehr nur um Fortbildungsvideos geht.
Das Gespräch ist gleichzeitig ein Rückblick und ein Ausblick. Rückblick auf einen bemerkenswerten Wachstumspfad und Ausblick auf die Frage, wie Fortbildung in Zahnarztpraxen künftig aussehen könnte.
Von 100 auf über 10.000 Nutzer: Was hat den Unterschied gemacht?
Als Jonas Nachtigall 2022 erstmals im Praxisflüsterer Podcast zu Gast war, steckte Crocodile noch in den Kinderschuhen. Die Plattform war frisch gestartet, die technische Infrastruktur gerade aufgebaut und die Nutzerzahlen lagen noch im niedrigen dreistelligen Bereich. Heute nutzen mehr als 10.000 Zahnmedizinerinnen, Zahnmediziner und Praxismitarbeitende die Plattform, auf der inzwischen über 500 Fortbildungen von mehr als 90 Referentinnen und Referenten zur Verfügung stehen.
Doch das Wachstum kam nicht von allein. Natürlich spielte der durch Corona ausgelöste Digitalisierungsschub eine wichtige Rolle. Viele Menschen wurden erstmals gezwungen, digitale Lern- und Kommunikationsformate zu nutzen. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass digitale Fortbildung nicht nur eine Notlösung war, sondern echte Vorteile bot.
Jonas beschreibt, dass sich die Erwartungen vieler Nutzer verändert haben. Die Menschen sind es gewohnt, digitale Angebote aus ihrem privaten Alltag zu nutzen und erwarten zunehmend denselben Komfort auch im beruflichen Umfeld. Genau dort setzte Crocodile an.
Die größte Erkenntnis: Fortbildung darf nicht isoliert betrachtet werden
Besonders spannend ist die Entwicklung der Unternehmensstrategie. Während der ursprüngliche Fokus stark auf Zahnärztinnen und Zahnärzten lag, zeigte sich im Laufe der Jahre, dass der größte Hebel oft an anderer Stelle liegt. Nämlich im Praxisteam.
Jonas beschreibt, dass viele Praxen heute mit Personalmangel, steigenden Kosten und zunehmenden organisatorischen Anforderungen kämpfen. Gerade deshalb sei die Effizienz des Teams zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor geworden. Wer Mitarbeitende gezielt weiterentwickelt, Prozesse verbessert und Kompetenzen aufbaut, könne deutlich mehr bewegen als durch reine fachliche Fortbildung der Behandlerinnen und Behandler allein.
Diese Erkenntnis führte dazu, dass Crocodile sein Angebot Schritt für Schritt auf das gesamte Praxisteam ausweitete und heute deutlich breiter aufgestellt ist als noch vor einigen Jahren.
Fortbildung muss sich an den Alltag anpassen
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Frage, wie Menschen heute überhaupt lernen.
Die klassische Vorstellung einer Fortbildung mit langen Präsentationen und stundenlangen Vorträgen gerät zunehmend unter Druck. Nicht, weil die Inhalte weniger relevant wären, sondern weil sich das Mediennutzungsverhalten verändert hat.
Instagram, TikTok, YouTube und andere Plattformen haben die Erwartungen an digitale Inhalte nachhaltig geprägt. Aufmerksamkeit wird in kurzen Zeitfenstern gewonnen. Informationen werden in kleinen Einheiten konsumiert. Genau darauf musste auch die Fortbildung reagieren.
Deshalb setzt Crocodile inzwischen verstärkt auf kurze Lernformate, sogenannte „Micro-Learning“-Ansätze. Inhalte werden stärker verdichtet, Kernbotschaften klarer herausgearbeitet und in kleineren Einheiten vermittelt. Ziel ist es, Lernen stärker in den Alltag zu integrieren, statt zusätzliche Zeitblöcke schaffen zu müssen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, komplexe Inhalte zu vereinfachen, sondern Wissen zugänglicher zu machen.
Von der Fortbildungsplattform zum Praxiswerkzeug
Besonders interessant wird das Gespräch, als sich der Fokus von den Inhalten auf die Prozesse verschiebt.
Denn eine der größten Erkenntnisse der vergangenen Jahre lautet: Fortbildung ist nicht nur ein Wissensproblem, sondern auch ein Organisationsproblem.
Wer muss welche Schulungen absolvieren? Welche Nachweise werden benötigt? Wann laufen Zertifizierungen aus? Welche gesetzlichen Anforderungen müssen erfüllt werden?
Gerade in diesen Bereichen entsteht in vielen Praxen erheblicher Verwaltungsaufwand.
Deshalb entwickelt sich Crocodile zunehmend von einer reinen Fortbildungsplattform zu einem Werkzeug für Fortbildungsmanagement. Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber können Mitarbeitenden Lernpfade zuweisen, Fortschritte verfolgen, Fälligkeiten überwachen und Nachweise zentral verwalten.
Besonders bei verpflichtenden Themen wie Strahlenschutz, Arbeitsschutz, Hygiene, Qualitätsmanagement oder den neuen Anforderungen rund um IT-Sicherheit und KI-Schulungen entsteht dadurch ein erheblicher Mehrwert.
Statt kurz vor einer Begehung hektisch Unterlagen zusammenzusuchen, sollen relevante Informationen jederzeit verfügbar sein.
Warum die Zukunft im kontinuierlichen Lernen liegt
Ein Gedanke zieht sich durch die gesamte Episode: Fortbildung sollte kein Ereignis sein.
Für Jonas Nachtigall liegt die Zukunft vielmehr in einem kontinuierlichen Lernprozess, der fest in den Praxisalltag integriert ist. Ähnlich wie viele Menschen täglich Nachrichten lesen, Podcasts hören oder soziale Netzwerke nutzen, soll auch fachliche Weiterbildung selbstverständlich werden.
Nicht als Pflichtübung. Nicht als Wochenendveranstaltung. Sondern als natürlicher Bestandteil des beruflichen Alltags.
Dafür braucht es neue Formate, neue Werkzeuge und neue Möglichkeiten des Austauschs. Nachtigall spricht dabei auch über die Idee, künftig den Wissenstransfer zwischen Kolleginnen und Kollegen stärker zu fördern. Denn neben den Referentinnen und Referenten existiert in den Praxen selbst ein enormer Erfahrungsschatz, der bislang oft ungenutzt bleibt.
Gerade komplexe Fälle, Spezialwissen und praktische Erfahrungen könnten künftig stärker miteinander geteilt werden.
Welche Rolle spielt KI?
Zum Abschluss richtet Christian Henrici den Blick auf eines der aktuell dominierenden Themen der Branche: künstliche Intelligenz.
Jonas sieht KI dabei nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug. Entscheidend sei, die Technologie sinnvoll in bestehende Prozesse zu integrieren.
Bei Crocodile wird KI bereits genutzt, um Nutzungsverhalten zu analysieren, Themenbedarfe zu erkennen und Fortbildungsangebote gezielter zu planen. Die Technologie helfe dabei, Inhalte besser auf die Bedürfnisse der Nutzer auszurichten und Entwicklungspotenziale frühzeitig sichtbar zu machen.
Für ihn liegt die größte Chance nicht darin, bestehende Prozesse komplett zu ersetzen, sondern sie intelligenter, effizienter und qualitativ hochwertiger zu gestalten.
Fazit
Das Gespräch mit Jonas Nachtigall zeigt eindrucksvoll, wie stark sich digitale Fortbildung in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Gleichzeitig wird deutlich, dass die eigentliche Veränderung erst beginnt.
Die Zukunft liegt nicht allein in mehr Inhalten. Sie liegt in besserer Integration, intelligenter Organisation und kontinuierlichem Lernen im Praxisalltag.
Aus einer Plattform für Fortbildung entwickelt sich damit Schritt für Schritt ein System, das Praxen dabei unterstützt, Wissen aufzubauen, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen und Mitarbeitende gezielt weiterzuentwickeln.
Oder anders gesagt: Es geht längst nicht mehr nur darum, Fortbildungen anzubieten. Es geht darum, Lernen zu einem festen Bestandteil erfolgreicher Praxisführung zu machen.



























































